GT-Laufgehts – Die ersten 6 Wochen Laufen

Vor 6 Wochen bin ich in das Programm gestartet. Laufgehts soll mich in 6 Monaten zum Halbmarathon bringen. Die ersten 6 Wochen Laufen, waren eine Berg-und Talfahrt, die ich nun hier einmal aufarbeite.

Wenn man diesen Blog oder auch die Posts in den verschiedenen sozialen Netzwerken verfolgt hat, ist das nichts neues. Aber starten wir am Anfang. Ich bin oder war sehr unsportlich. Es machte mir nie Spaß, zu laufen oder Fahrrad zu fahren. Mit ähnlich miserabler Kondition bin ich gestartet. Ich hab mich in die “mittlere” Konditionsgruppe einsortiert, weil ich sonst gesund und nicht übergewichtig bin. Vielleicht zu ambitioniert? Wir werden sehen…

Zusätzliche Motivation für das Laufen:

Ich bin 40 geworden. Kaufe ich mir nun eine Harley? Einen Porsche? Da fehlt mir das Kleingeld. Aber wie bekämpft man das Alter? Eigentlich garnicht, weil es unnötig ist. Aber etwas länger zu leben, scheint ein guter Plan zu sein. Vielleicht sollte ich endlich mit Sport anfangen, denn wir alle werden nicht jünger. Ich erzählte nun allen von meinem Vorhaben. Das Programm kommt zum richtigen Zeitpunkt. Der Halbmarathon ist nicht mein Ziel, sondern regelmäßiges Laufen, gerade nach dem Halbmarathon. Der Wettbewerb ist mir hier nicht so wichtig. Aber da er nun mal Bestandteil des Programms ist, werde ich natürlich alles tun, um auf die Distanz zu kommen. Ich erzählte allen davon und teilte nun auch ständig Dinge in sozialen Netzwerken. Eigentlich nicht um mich darzustellen, sondern um den Druck auf mich selbst zu erhöhen. Es sollte später gut funktionieren, denn wenn ich einen Lauf ausließ, häuften sich die Fragen. Es war mir unangenehm, nicht gelaufen zu sein. Die richtige Ausrüstung war mir auch wichtig. Ich wollte mich, wenn ich schlapp mache, nicht fragen müssen ob es nur an den Klamotten liegen könnte. Da dieses Programm von meinem Arbeitgeber initiiert ist, würde ich wenn ich aufgebe auch Reputation verlieren. Das ist nicht zu unterschätzen.

Der Rücken:

Wenn ich früher gelaufen bin, ging es mir gleich dreifach schlecht. Die Lunge, Kopfschmerzen und Rückenschmerzen, die ich nach dem Laufen hatte. Das konnte ja nicht gut für mich sein, sagte ich mir. Ich fing, nachdem ich Anfang des Jahres Rückenprobleme hatte, mit Übungen an, die man zuhause machen konnte.

Die Kopfschmerzen waren ein Resultat der Rückenschmerzen, die ich mit diesen Übungen in den Griff bekam. Ich versuche die Übungen in der verkürzter Form zwei mal am Tag für 10 min zu machen. Es funktionierte. Als ich mit dem Laufen anfing, war der Rücken kein Großes Problem mehr.

Die Ausrüstung:

Keine halben Sachen. Nachdem ich den Probelauf und den ersten Sonntagslauf, mit meinen alten Klamotten absolviert hatte, waren andere schon mit Funktionskleidung ausgestattet. Ich hatte auch zu viel Kleidung an. Es war kühl, um die 12 Grad und es sog sich alles voll. Ich bin in der Folgewoche also zum Intersport Göttingen gegangen und hab mir dort, nach Beratung, neue Schuhe und Funktionskleidung gekauft. Zusätzlich gönnte ich mir noch eine Bauchtasche um mein Handy und Schlüssel mit nehmen zu können, denn die Taschen an der Funktionskleidung sind quasi nicht existent.

Die Luft:

Meine Lungen nehmen mir den ersten Lauf sehr übel. Das Problem? Kälte. Ich versuche durch die Nase zu atmen. Ich bekomme aber nicht besonders viel Luft durch die Nase. Nach ein paar Hundert Metern schon Seitenstechen, meine Lunge brennt. Ganz toll. Nach ein paar Minuten gehts wieder. Ich lerne später, dass man tatsächlich eher durch den Munden atmen soll, und tat das intuitiv. Nun probiere ich es deutlich langsamer und kann nun 10 min durchlaufen. Bei den kommenden 4 Läufen, wurde es erst wärmer und dann rapide kälter. Mein Problem mit der Atmung wurde größer. Glücklicherweise kam meine Frau darauf ein Flies zu kaufen. Dieses ist aus Funktionsmaterial und kann wie ein Halstuch getragen werden. Allerdings kann man es eben auch über den Kopf ziehen, oder in meinem Fall über die Nase. Die Atmung war zwar auch mit Tuch noch ein Problem, aber ein deutlich vermindertes.

Der Rockymoment:

Die ersten 6 Läufe, waren eine Katastrophe. Ich fühlte mich nicht gut. Mich überholten viele Teilnehmer, die meisten deutlich älter als ich. Im Besonderen eine ältere Dame, die sehr nett Guten Morgen sagte, als Sie sehr zügig an mir vorbei zog. Das fühlte sich komisch an. Die Lunge brannte jedes mal. Ich hatte, obwohl das Programm mir einen Trainingspuls von 146 empfiehlt, stets 170 – 180. Dieses fing sich mit dem 7. und 8. Lauf an zu verändern. beim 3. Sonntagslauf lief ich nicht mehr gefühlt hinterher. Sondern hatte noch Kraft über. Das Training unter der Woche schien sich bemerkbar zu machen. Der Moment erinnerte mich an eine Szene in Rocky 2. Apollo Creed trainiert Rocky, der am Anfang nicht mithalten kann, ihn aber nach ein paar Wochen mühelos abhängt. Ich überholte mehrere Teilnehmer und, man mag es nicht glauben, die besagte ältere Dame,  die ab Heute für mich Mrs. Creed heißt, ohne Probleme innerhalb meines Trainingspulses. Ich hatte Luft über. Das Problem gibt es nicht mehr. Mein erster stolzer Moment. Nach diesem Lauf  ging es in den sozialen Netzwerken nicht um meine Motivation. Ich wollte angeben und posen! 🙂

Die Waden:

Kaum war ein Problem im Griff, kam das nächste. Meine Faden fingen an zu Schmerzen. Ich war bei Regen und Kälte laufen. Das konnte mich nicht aufhalten – Ein Fehler. Es hielt mich auf. Ich lief an diesem Tag weiter und ich konnte danach eine Woche nicht Laufen gehen. Etwas verzweifelt holte ich mir nach 5 Tagen Hilfe von laufaffinen Freunden. Hans-Martin riet mir zu Magnesium, dass ich mir in Pillenform besorgte. Wichtig hierbei ist übrigens, die maximale Dosierung nicht zu überschreiten. 300 mg pro Tag. Meine Pillen, hatten 200mg pro Pille, ich nahm 3 Tage jeden Tag eine. Es wurde besser, aber es war nicht weg. Ich las und bekam von diversen Sportlern die Faszienrolle empfohlen, mit der man die Waden behandeln kann. Die Rolle wird unter eine Wade legt und dann das Bein vor uns zurück bewegt (Danke Ina für den Tipp). Das wiederholte ich 3 Tage lang. Mal kräftiger mal sanfter, weil zu starkes Training wohl auch nicht gut ist und Krampfadern provoziert. Ich hatte mittlerweile 11 Tage Training verloren, aber nun ging es wieder.

Die Ernährung:

Meine Vermutung – Mit fortschreitendem Training wird die Ernährung immer wichtiger. Ich betreibe auch das nicht dogmatisch. Wenn ich Bock auf Pizza habe, esse ich Pizza. Die Referenten des Programms, halten das selbst für unnötig, so dass 4 Tage gesünder und 3 Tage alles zu essen, für mich zumindest aktuell ungefähr passt. Für mich war die größte Hürde, das Nutellatoast, dass nun nur noch sehr selten auf den Tisch kommt. Der Zucker morgens sorgt für einen hohen Zuckerspiegel, der uns erstmal suggeriert, dass wir Power haben. Bei Anstrengung geht der Körper allerdings zuerst auf die Zuckerreserven und nicht an das eingelagerte Fett. Der Körper merkt zusätzlich, dass wir zu viel Zucker im Körper haben und schüttet Insulin aus. Der Effekt – Wir fühlen uns 3 Stunden später leicht müde und wir haben wir Hunger. Wir essen Kohlenhydrate (Brot oder Süßes) und der Teufelskreis geht weiter. Besser ist also mit hohem Eiweißgehalt zu starten. Mir schmeckt morgens allerdings nichts herzhaftes wie Gewürz-Quark und dicke Käseblöcke kann ich morgens auch nicht essen. Ich probierte es mit einem Eiweißshake zu Frühstück. Teilweise mit Süßstoff, aktuell mit Stevia funktioniert dieser für mich sehr gut und ich habe erst ab 11.30 Uhr wieder Hunger.

Die Ausdauer:

Die kleineren Probleme waren nun im Griff. Nach 3 Wochen lief ich bereits 6 km in 47 min, aufgeteilt in 2 x 20 min Laufen und mittendrin 5 min walken. Diese 6 km gingen schnell. Soviel war ich noch nie gelaufen. Es lief aber nun. Ich begriff langsam wie das läuft. Man läuft, kommt an ein Problem, löst dieses und kann danach weiter und länger laufen. Der Rest ist schlicht Ausdauer. Das Programm, in dem man genau vorgeschrieben bekommt, wann man wie viel laufen sollte, ist zwar nicht dogmatisch einzuhalten, aber man bekommt eine gute Vorstellung davon, ob man auf dem richtigen Level ist. Diverse Verzögerungen sind theoretisch eingebaut, so dass meine Renovierungsarbeiten, die nicht warten konnte und auch mein anspruchsvoller Beruf, mich nicht all zu weit nach hinten warfen. Heute ist Sonntag. Ich sollte heute laufen. Ich habe den Lauf allerdings vorweg genommen und bin am Freitag Abend gelaufen. Auf dem Plan standen 70 min ohne Walking oder Pausen. Ich hatte bisher immer eine Walkingpause gemacht. Allerdings war diese, wenn auch unter großer Anstrengung, dieses Mal nicht nötig. Die Geschwindigkeit ist mir aktuell noch völlig egal, denn ….

Ich bin das erste Mal in meinem Leben 67 min und 8.88 km am Stück gelaufen!

Das nächste Etappenziel ist der Altstadtlauf Ende Juni 2018. 10 km durch die Stadt und ich habe noch 10 Wochen Zeit den letzten Kilometer zu trainieren. Das sollte machbar sein. Allerdings werde ich wieder vor Herausforderungen gestellt werden. Mein nächstes Problem wird die Wärme sein…  

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